29.08.2004
Rede anlässlich des Öffentlichen Gelöbnisses in Marklohe am 24.08.2004
Es gilt das gesprochene Wort.
Meine Damen und Herren,
sehr verehrte Ehrengäste,
liebe Eltern und Angehörige,
und – insbesondere – liebe Rekruten!
Sie stehen heute im Mittelpunkt des Geschehens, und Ihnen gilt mein besonderer Gruß. Sie haben sich entschlossen, Ihr Engagement und Ihre Kraft für einen Teil Ihres Lebens in den Dienst unseres Staates zu stellen. Dafür gebührt Ihnen Anerkennung und auch Dank.
Denn dass Sie einen im Grundgesetz vorgesehenen Dienst leisten, bedeutet zwar, einer rechtlich verankerten Pflicht nachzukommen.
Aber gerade die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland zeichnet sich dadurch aus, dass auch der Dienende ein Staatsbürger bleibt, der für das Gemeinwesen als Uniformträger aktiv einen besonderen Beitrag leistet.
Ein Feierliches Gelöbnis ist ein bedeutendes Ereignis: Insbesondere für jeden einzelnen Rekruten und für die Angehörigen. Die jungen Soldaten geloben, unserem demokratisch verfassten Staate treu zu dienen und das Recht und die Freiheit zu verteidigen.
"Die Würde des Menschen ist unantastbar", heißt es im ersten Artikel unseres Grundgesetzes. Und das Grundgesetz spricht dann weiter von der Verpflichtung, die Menschenwürde zu achten und zu schützen. Sie, liebe Soldaten, verpflichten sich heute insbesondere auch hierzu.
Dass dieses Gelöbnis große Bedeutung hat, wird auch dadurch deutlich, dass viele Angehörige zum Teil lange Wege auf sich genommen haben, um heute hier sein zu können.
Ich bin als Vertreter des Landkreises Nienburg im Deutschen Bundestag hierher gekommen. Die Bevölkerung dieses Landkreises pflegt seit Jahrzehnten überaus gute Beziehungen mit der Bundeswehr. Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass heute viele Einheimische hier sind.
Liebe Rekruten, sehr geehrte Damen und Herren, die Bundeswehr ist kein Selbstzweck, sie existiert nicht um ihrer eigenen Existenz willen, sondern der Existenz unserer Demokratie wegen.
In welchem Umfang und in welchen Bereichen wir Soldaten benötigen, das ist vor diesem Hintergrund selbstverständlich immer wieder zu prüfen. Aber dass wir die Bundeswehr brauchen und auf unabsehbare Zeit weiter brauchen werden, liegt auf der Hand.
Neben der Konfliktverhütung und Krisenbewältigung im Rahmen unserer internationalen Verpflichtungen bleibt die Verteidigung unseres Landes und unserer Bündnispartner weiterhin der zentrale Auftrag der Bundeswehr.
In den letzten Jahren ist aber deutlich geworden, dass zur Erfüllung dieser Aufgabe mehr notwendig ist als die bloße Sicherung unserer Landesgrenzen.
Der internationale Terrorismus macht an unseren Staatsgrenzen oder den Grenzen unserer Bündnispartner nicht halt. Und so kann auch der Einsatz für die Verteidigung unserer Freiheit und der Freiheit der demokratischen Welt nicht auf unser Territorium beschränkt bleiben. Beispielsweise ist ein demokratisches und stabiles Afghanistan die Vorraussetzung dafür, dass dort keine islamistischen Terroristen ihre Ausbildung erhalten oder von dort aus operieren können. Auf diese Weise schützt der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan auch unsere Freiheit und die Freiheit unserer Freunde.
Der erfolgte Erlass neuer verteidigungspolitischer Richtlinien sowie die Umstrukturierung der Bundeswehr entsprechend ihrer neuen Herausforderungen trägt dieser veränderten Sicherheitslage Rechnung
Liebe Rekruten, sehr geehrte Damen und Herren, ich selbst habe nach der Schule nicht Wehr-, sondern Zivildienst geleistet. Das ist mittlerweile 15 Jahre her.
Und ich kann mich noch gut an Diskussionen kurz vor dem Abitur in meinem Freundeskreis erinnern, in denen es darum ging, wer von uns zur Bundeswehr geht und wer Zivildienst leistet.
Dabei ging es nie darum, ob der eine oder der andere ein besserer Mensch ist, sondern wir waren uns einig darüber, dass sich jeder für sich selbst klarmachen muss, welche Form des Dienens für unsere Gesellschaft ihm entspricht.
Ich mache bei Diskussionen in Berlin mit älteren Schülern die Erfahrung, dass dieser wechselseitige Respekt eine Selbstverständlichkeit geworden ist, und dass Freundschaften nicht darunter leiden, ob man Wehrdienst oder Zivildienst leistet.
Denn es kommt auf zwei Dinge an: Erstens darauf, dass Sie als junge Menschen wahrnehmen und danach handeln, dass die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten beinhaltet und die Übernahme von Verantwortung verlangt. Und zweitens, dass Sie Ihre Dienstzeit als sinnvoll verbrachte Zeit erleben.
Das wünsche ich Ihnen, liebe Soldaten, so wie ich Ihnen auch verständnisvolle und verantwortungsbewusste Vorgesetzte wünsche.
Männer wie Sie tragen dazu bei, diesem Land und Europa Sicherheit und Frieden in Freiheit zu bewahren.
Ihr Dienst ist wertvoll und wichtig – anerkannt und von breiter Zustimmung in der Bevölkerung getragen. Ihr Dienst wird benötigt.
Die Bundeswehr und unsere feste Einbindung in die politische Wertegemeinschaft demokratischer Staaten, die Arbeit der Bundeswehr unter dem Dach der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der NATO garantieren unseren Frieden, unsere Sicherheit und vor allem: unsere Freiheit.
Frieden gibt es nicht ohne Freiheit. Und Freiheit zu bewahren macht es erforderlich, zu ihrer Verteidigung fähig und bereit zu sein.
Sie, liebe Soldaten, übernehmen in diesem Sinne persönlich auf Zeit eine besonders ausgeprägte Verantwortung.
Das kann nur, wer selbst von den Werten unserer Verfassung überzeugt ist. Und mit dem Gelöbnis, das Sie heute leisten, bringen Sie diese Überzeugung als Bekenntnis zu unseren Grundwerten zum Ausdruck.
Ich wünsche Ihnen eine herausfordernde und ausgefüllte Dienstzeit.
Seien Sie fair im Umgang miteinander.
Ihren Vorgesetzten wünsche ich eine gute Hand – und uns allen Glück und eine Zukunft in Frieden, Freiheit und Sicherheit.