10.03.2006
Neue Osnabrücker Zeitung vom 10. März 2006
Absage nach NPD-Protest
Kreisverwaltung verbietet Konzert von Konstantin Wecker
Konstantin Wecker gibt Halberstadt nicht auf, obwohl die Kreisverwaltung Halberstadt in Sachsen-Anhalt ein Konzert des Liedermachers untersagt hat - auf Drängen der NPD. Kurzfristig wich Wecker nach Jena aus. Das Konzert in Halberstadt will er aber nachholen: Ich finde, wir sollten hier im Sommer etwas machen, vielleicht ein Open-Air-Konzert", sagte er in einem Spiegel-Online"-Interview.
Der Abend unter dem Motto Nazis raus aus dieser Stadt" war ursprünglich am Mittwoch in einer Schule geplant gewesen. Dagegen hatte die NPD protestiert. Sie sah in der Veranstaltung in einem öffentlichen Gebäude kurz vor der Landtagswahl am 26. März einen unzulässigen Wahlkampf für die Linkspartei und drohte eine aktive" Teilnahme an. Der stellvertretende Landrat Hans-Dieter Sturm hatte das daraufhin erfolgte Verbot mit der Sorge begründet, dass die Behörden künftig keine Handhabe gegen rechtsextremistische Veranstaltungen in der Schule hätten.
Während die Absage bundesweit für Empörung sorgt, verteidigt der Landrat Henning Ruhe (parteilos) die Absage. Grund sei die Drohung der NPD gewesen, eigene Veranstaltungen in Schulen einzuklagen. Der Landrat fügte hinzu: Ich wollte der NPD nicht die Möglichkeit einräumen, in einer Schule aufzutreten." Junge Leute seien nämlich empfänglich für rechtsextreme Theorien.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, sprach von einer Bankrotterklärung der Politik vor der Partei. Die Kommunalpolitiker hätten ohne Grund vor dem Druck der rechten Antidemokraten kapituliert.
Den für die Absage Veranwortlichen fehle es an demokratischer Zivilcourage", kritisierte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD). Es ist eine polizeiliche Aufgabe sicherzustellen, dass die Besucher einer Veranstaltung nicht belästigt werden." Auch bei Fußballspielen sei mitunter mit Ärger zu rechnen - und dann werde möglichen Störungen vorgebeugt.
Offiziell war die Absage zunächst damit begründet worden, dass in schulischen Gebäuden keine kommerziellen Veranstaltungen stattfinden dürften. Weckers Manager Manfred Berkard bezeichnete dieses Argument als vorgeschoben. Er betonte, das als Alternative in Halberstadt angebotene Theater hätte man teuer anmieten müssen. Daher habe man sich für ein Ersatzkonzert in Jena entschieden: Dort war es problemlos möglich, in einer Schule aufzutreten." Der Auftritt war, wie die gesamte Tour, nicht als kommerzielle Veranstaltung geplant.