15.04.2005
Fußballclub Schalke 04 als "Botschafter der Toleranz" vorgeschlagen
Anlässlich der Veröffentlichung der Studie "Zwischen Blau und Weiß liegt Grau" zur Geschichte des Fußballclubs Schalke 04 während der Nazi-Zeit erklärt der Sprecher der Arbeitsgruppe Rechtsextremismus der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Edathy:
Ob Schalke 04 es dieses Jahr verdienen würde, deutscher Fußballmeister zu werden, ist unter Fußballfans derzeit Gegenstand lebhafter Diskussionen. Ein würdiger Träger des Titels "Botschafter der Toleranz" wäre der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet aber ohne Zweifel.
Das "Bündnis für Demokratie und Toleranz" der Bundesregierung zeichnet jährlich Gruppen oder Einzelpersonen als "Botschafter der Toleranz" aus, die sich beispielhaft im Kampf gegen Rechtsextremismus und für ein friedliches Zusammenleben engagieren.
Schalke 04 verhält sich bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit sowie bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit seit langem überaus vorbildlich.
Diese Woche hat der FC Schalke 04 als erster Bundesligaverein überhaupt eine Studie vorgelegt, welche die Geschichte des Vereins während der Nazi-Zeit untersucht. Die Untersuchung, die von zwei unabhängigen Fachhistorikern durchgeführt wurde, war im Zuge des hundertjährigen Vereinsjubiläums 2004 in Auftrag gegeben worden.
Bisher einmalig ist auch der Beschluss des Vorstands des Fußballvereins, dass die Zugehörigkeit zu einer rechtsextremen Partei mit einer Mitgliedschaft beim FC Schalke 04 unvereinbar ist. Begründet wurde dieser Beschluss mit der Vereinssatzung, wonach die Integration von ausländischen Mitbürgern gefördert werden soll und die "Kundgabe rassistischer und ausländerfeindlicher Gesinnung" zum Vereinsauschluss führen kann. Zwar verfügen auch zahlreiche andere Vereine über ähnliche Passagen in ihrer Satzung, doch werden sie in der Regel nicht konsequent auf die Mitglieder rechtsextremer Parteien angewandt.
Null Toleranz zeigt der Verein auch bei der Zurschaustellung neonazistischer Symbole im eigenen Stadion. Zuschauer, die entsprechend auffällig sind, erhalten Hausverbot; wenn es sich um Vereinsmitglieder handelt, werden diese ausgeschlossen.
Zudem beteiligte sich Schalke 04 im März 2005 bei der "Aktionswoche gegen Rassismus" und ist der einzige Bundesligaverein, der die Antirassismusarbeit von Fan-Initiativen nicht nur mit Worten, sondern auch finanziell unterstützt. Vor dem Hintergrund der Aktivitäten von Schalke 04 habe ich als Sprecher der Arbeitsgruppe Rechtsextremismus dem "Bündnis für Demokratie und Toleranz" vorgeschlagen, Schalke 04 mit dem Titel "Botschafter der Toleranz" auszuzeichnen.
Das Engagement des Vereins ist ausgesprochen vorbildlich und zur Nachahmung sehr zu empfehlen.