Warum sind sie hier? oder: Mit Machete gegen die Bürokratie
Bericht der Schaumburger Zeitung vom 24.07.2002
Luhden (mk). Horst Honebein will es ganz genau wissen: "Sind Sie hier, weil Wahlkampf ist?", fragt er die beiden Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy und dessen SPD-Fraktionskollegen Hubertus Heil geradeheraus. "Nein", antworten die beiden Politiker, "wir sind regelmäßig in Betrieben unterwegs".
Einmal im Monat mache er einen Firmenbesuch in seinem Wahlkreis Schaumburg/Nienburg, sagt der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy. Horchen, was die Wirtschaft so sagt. Wenn Edathy alle Betriebe in den beiden Landkreisen kennen lernen will, dann muss er noch ein paar Mal wiedergewählt werden. Am 22. September ist die nächste Chance, das vor vier Jahren erworbene Mandat zu verlängern; dann wird der neue Bundestag gewählt. Am Dienstag machte Edathy für anderthalb Stunden Station in Luhden bei der Firma Wilhelm Honebein. Der Betrieb, der vor allem hochwertiges Blech verarbeitet, hat rund 90 Mitarbeiter, wird vom Inhaber geführt und ist nicht nur deshalb ein gutes Beispiel für ein mittelständisches Unternehmen. An seiner Seite hatte Edathy mit Hubertus Heil aus Peine einen ausgewiesenen Wirtschaftspolitiker; Heil gehört dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages an. Heil, noch keine 30 Jahre alt, zählt wie Edathy zu den jüngeren in der Garde der SPD-Politiker. Die Runde komplettierten Samtgemeindebürgermeister Heinz Wischnat und Luhdens Bürgermeister Hartmut Büscher. Zur Sache, meine Herren: "Wir wollen nicht meckern", sagt Geschäftsführer Horst Honebein. Dem Unternehmen, das seit mehr als 75 Jahren besteht, geht es im Vergleich zu anderen Firmen "ganz gut". "Wenn es so bleibt, wollen wir zufrieden sein", sagt Honebein. Aber: Der Druck im Markt werde größer. Die Zahlungsmoral der Kunden sei in Ordnung, sagte Honebein, es werde allerdings schwieriger. "Uns bleiben nur Investitionen", Preisnachlässe könnten ja schließlich nicht vom Gehalt der Mitarbeiter abgezogen werden. Investieren, um weiter mithalten zu können, sagt Horst Honebein, immer wieder neue Maschinen anschaffen wie einen Rohrlaser oder eine Lackieranlage, beide kosten deutlich mehr als eine Million Mark,. Investieren, um günstiger produzieren zu können und damit die Arbeitsplätze erhalten. So geht das heute. Der Standort in Luhden? Der sei gut, sagt Honebein und bedankt sich beim Samtgemeindebürgermeister für die Unterstützung. Die Firma Honebein konnte vor rund zehn Jahren in das Luhdener Gewerbegebiet ziehen. Ein Landwirt hatte Flächen zur Verfügung gestellt, Bürgermeister Wischnat hatte die Fäden gezogen. Anregungen nehmen die beiden Politiker mit nach Berlin. Sie hören wohl nicht zum ersten Mal, was den Unternehmern in deutschen Landen auf die Nerven geht. Der bürokratische Aufwand werde immer größer, das haben auch die Honebeins festgestellt. Sie sagen das deutlich: Hier ist eine Statistik auszufüllen, dort ein Monats-, an anderer Stelle ein Quartalsbericht - alles zusätzliche Arbeit, die oft am eigentlich freien Sonnabend erledigt werden muss. Hubertus Heil sagt: "Ich sehe das auch so, es gibt zu viel Bürokratie". Da helfe wohl nur die Machete. Man müsse es so machen wie ein früherer Minister im Saarland, schlägt er vor. Der hatte angewiesen, dass für jede neue Verordnung zwei alte gestrichen werden müssten.
© Landes-Zeitung, 24.07.2002