Die Welt vom 16. November 2000
Linke festigt Stellung an SPD -Fraktionsspitze
Berlin. Bei der Wahl des SPD-Fraktionsvorstands hat die Parteilinke ihre Stellung weiter gefestigt. Vertreter des konservativen "Seeheimer Kreises" und auch die SPD-Frauen in der Fraktionsspitze mussten Rückschläge hinnehmen. Dies geht aus den Wahlergebnissen für den geschäftsführenden und erweiterten Vorstand hervor.
Fraktionschef Peter Struck wurde mit 241 Stimmen wiedergewählt. Bei den Wahlen der neun Stellvertreter erzielte der Finanzexperte Joachim Poß mit 226 Stimmen das beste Ergebnis. Poß, der auch Vorsitzender des mitgliederstärksten SPD-Bezirks Westliches Westfalen ist, gilt als ein möglicher Kandidat für die Nachfolge von Struck, falls dieser nach der Bundestagswahl ins Kabinett wechselt. Mit guten Ergebnissen wurden auch Ludwig Stiegler (224), Gernot Erler und Norbert Wieczorek (beide 211) sowie Michael Müller (207), die alle zur parlamentarischen Linken zählen, im Amt bestätigt. Dagegen benötigte die Ostdeutsche Sabine Kaspereit zwei Wahlgänge für die Wiederwahl.
Mit dem gleichen Ergebnis wie Struck (241 Jastimmen) wurde der Erste Parlamentarische Geschäftsführer Wilhelm Schmidt überzeugend wiedergewählt. Bei den übrigen vier Geschäftsführern schnitten Susanne Kastner (181) und Uwe Küster (146) am schlechtesten ab.
Bei der Wahl der erweiterten Fraktionsspitze erreichte der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Franz Thönnes mit 178 Stimmen auf Anhieb das beste Resultat. Neu im ersten Durchgang in den Vorstand gewählt wurden auch Sebastian Edathy und Olaf Scholz von der Gruppe der jungen Abgeordneten sowie der Haushälter Hans Georg Wagner. Der Sprecher der "Seeheimer", Reinhold Robbe, wurde dagegen erst im zweiten Wahlgang mit einem der schlechtesten Ergebnisse (72 Stimmen) gewählt. Mit Karl Hermann Haack und dem innenpolitischen Sprecher Dieter Wiefelspütz mussten zwei weitere prominente Fraktionsrechte in den zweiten Wahlgang. Von den fünf durchgefallenen Bewerbern bei den Besitzerposten waren vier Frauen. dpa