Meldung der Nachrichtenagentur ddp vom 24.06.2004
Innere Sicherheit/Versammlungsrecht - SPD-Fraktion und Grüne lehnen Schily-Plan ab
Berlin (ddp). Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) stößt mit seinen Plänen, das Demonstrationsrecht einzuschränken, in der eigenen Partei auf energischen Widerstand. Die Vorschläge seien verfassungsrechtlich bedenklich, weil die Versammlungsfreiheit ausgehöhlt werde, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, der "Berliner Zeitung"
(Donnerstagausgabe). Er fügte hinzu: "Ich mache das nicht mit, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es dafür Mehrheit im Bundestag gibt."
Wiefelspütz betonte, auch er möge Rechtsextremisten
nicht. Aber es gebe in dieser Gesellschaft nun mal Rechtsextremisten, "und wenn die sich an Recht und Gesetz halten, dürfen sie auch demonstrieren".
Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy zeigte sich von dem Vorstoß Schilys überrascht. Er verwies darauf, dass die SPD-Fraktion schon in der vergangenen Legislaturperiode ein Demonstrationsverbot
vor Mahnmalen abgelehnt habe. Auch der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Joachim Stünker, bewertete die Pläne Schilys skeptisch: "Ich sehe keine Notwendigkeit, das Versammlungsrecht zu ändern."
Nur die Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD), äußerte Sympathie für Schilys Vorstoß. Dem deutschen Ansehen werde großer Schaden zugefügt, wenn Rechte am Holocaust-Mahnmal aufmarschierten, sagte sie. Die SPD-Politikerin
räumte aber ein, dass die Mehrheit ihrer Fraktion das
Versammlungsrecht nicht antasten wolle.
Auch die Grünen kündigten Widerstand gegen den Innenminister an. "Die Grünen werden mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln gegen eine Einschränkung des Versammlungsrecht kämpfen", sagte deren
innenpolitische Sprecherin, Silke Stokar. Bei dem Demonstrationsrecht handele es sich "um ein Grundrecht und nicht um Polizeirecht".