Die taz vom 18. November 2005
Kampf um den Integrationsbeauftragten
Die Union will das Amt für sich haben. Das würde den Bock zum Gärtner
machen", meint der SPD-Politiker Edathy
BERLIN taz Inhaltlich war das Thema Integration bei den
Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD schnell abgehakt. Ohne
Probleme (siehe Text unten). Doch nun beginnt der erste Kampf der neuen
Partner - um eine wichtige Personalie.
Wer die Nachfolge der bisherigen Integrationsbeauftragten der
Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne), antreten soll, lässt der
Koalitionsvertrag offen. Klar ist nur, dass beide Parteien insgesamt
jeweils gleich viele Beauftragte stellen. Integration, Aussiedler,
Stasi-Unterlagen, Behinderte: Wer welche Zuständigkeiten erhält, müssen
am Ende die Parteiführungen entscheiden. Sowohl Union als auch SPD
würden besonders gern das Amt der Integrationsbeauftragten besetzen,
weil es hohe öffentliche Aufmerksamkeit garantiert. Der designierte
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll bereits Interesse bekundet
haben, das Amt künftig an sein Ministerium anzugliedern. Beck arbeitete
zuletzt im Familienressort. Auch CDU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach
möchte das Amt Schäuble zuschlagen: Da die Ausländerpolitik und weite
Teile der Integrationspolitik beim Innenministerium liegen, halte ich es
für sinnvoll, auch diese Stelle beim Innenministerium anzusiedeln." Dies
wäre eine Premiere, denn seit Einführung des Amtes 1978 wurde es noch
nie von Unionspolitikern bekleidet. Wenn es nach den Sozialdemokraten
geht, soll das so bleiben. Ich würde mir sehr wünschen, dass dieses Amt
dem Arbeits- und Sozialminister zugeordnet und von uns besetzt wird",
erklärte der der innenpolitische Sprecher der SPD, Dieter Wiefelspütz:
Integration und Zuwanderung, das ist unser Herzblut."
Der SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy äußerte erhebliche Bedenken" gegen
einen Integrationsbeauftragten aus der CDU. Die Union habe gegen fast
alles, was in der Integrationspolitik an Fortschritten erzielt wurde,
fundamentale Opposition betrieben", sagte Edathy der taz. Ich glaube
nicht, dass es klug wäre, den Bock zum Gärtner zu machen." Stattdessen
hat er einen eigenen Vorschlag: Lale Akgün. Die 52-jährige
SPD-Abgeordnete aus Köln erklärte sich dazu bereit: Ich kann mir das
gut vorstellen", sagte Akgün der taz und fügte hinzu: Es wäre ein
wirklich schönes Signal, wenn jemand mit meiner Migrationsbiografie das
übernimmt." Akgün wurde in Istanbul geboren, kam mit neun Jahren nach
Deutschland und hat in NRW unter anderem das Landeszentrums für
Zuwanderung aufgebaut.