Der Tagesspiegel vom 25. November 2005
Fünf aus 45 - Die SPD wählt die engere Führung von Partei und Fraktion - aber es gibt mehr Bewerber als Posten
Dieser Tage wird wieder viel telefoniert in der SPD, denn am Montag steht die Wahl der engeren Partei- und Fraktionsführung an. Zu vergeben sind fünf Plätze im Parteipräsidium, neun Pos- ten in der Riege der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, außerdem der Vorsitz des einen oder anderen Bundes- tagsausschusses, wobei die Nachfrage das Angebot zuweilen übersteigt. Die Verteilungskämpfe zwischen den Strömungen und Generationen beginnen am Montagvormittag im Willy- Brandt-Haus, wo der 45-köpfige Vorstand erstmals unter der Leitung des neuen Parteivorsitzenden Matthias Platzeck zusammentritt, um aus seiner Mitte die restlichen Mitglieder des Präsidiums zu wählen - fünf aus 45 also. Platzeck, dessen fünf Stellvertreter, der Generalsekretär und der Schatzmeisterin gehören dem Präsidium qua Amt an und wurden bereits auf dem Karlsruher SPD-Parteitag gewählt. Auch die Wortführerin der Linken, Andrea Nahles, und der bayerische SPD-Chef Ludwig Stiegler wollen sich um Plätze im Präsidium bewerben. Beide haben gute Chancen. Der Zorn in der Partei über Nahles, die mit ihrer Kampfkandidatur gegen den Müntefering-Vertrauten Kajo Wasserhövel den Wechsel an der SPD-Spitze ausgelöst hatte, ist verraucht. Stiegler wiederum kann Proporzgründe anführen: Sein Landesverband ist bisher weder in der Regierung noch in der Parteispitze vertreten. Ambitionen auf eine Kandidatur werden auch dem Thüringer SPD-Chef Christoph Matschie, dem saarländischen Landesvorsitzenden Heiko Maas, der früheren Forschungsministerin Edelgard Bulmahn und der hessischen Landeschefin Andrea Ypsilanti nachgesagt. Dazu kommen zwei, womöglich drei Bewerber aus NRW, dem mitgliederstärksten Landesverband. Genannt werden neben der vor- maligen Staatssekretärin im Finanzminis- terium Barbara Hendricks der Finanzexperte der Fraktion, Joachim Poß, sowie der Europaabgeordnete Martin Schulz. Mit mindestens einer Kampfkandidatur muss am Montagabend in der Fraktion gerechnet werden. Ex-Innenstaatssekretär Fritz Rudolf Körper will als Fraktionsvize die Bereiche Inneres und Recht betreuen. Gegen ihn treten die Parteilinke Christine Lambrecht und der innenpoliti- sche Sprecher der Fraktion, Dieter Wiefelspütz, an. Neben Körper wollen noch zwei weitere Ex-Regierungsmitglieder in der Fraktion mitmischen: Die parlamentarische Staatssekretärin a. D. Iris Gleicke bewirbt sich als parlamentarische Geschäftsführerin. Für sie wird die Zahl der so genannten PGFs auf fünf erhöht. Walter Kolbow, bis vor kurzem Staatssekretär im Verteidigungsministerium, tritt für den Fraktionsvize-Posten mit der Zustän- digkeit für Außenpolitik an. Ein anderer aus dem Establishment der Schröder-SPD warf schon vor der Sit- zung am Montag das Handtuch. Ex-Gene- ralsekretär Klaus Uwe Benneter ließ von einer Kandidatur für den Vorsitz des In- nenausschusses ab, als er erkannte, dass er eine Kampfabstimmung gegen den jungen Innenexperten Sebastian Edathy womöglich verlieren würde.