Meldung von ddp vom 17. Dezember 2005
"Unfreundlicher Akt in der Koalition" - SPD und Union streiten über Einsatz von Soldaten bei der Fußball-WM
Zwischen Union und SPD ist ein Streit über den Einsatz von
Bundeswehrsoldaten zur Gewährleistung der Sicherheit bei der
Fußball-Weltmeisterschaft 2006 entbrannt. Prominente Sozialdemokraten
wiesen einen entsprechenden Vorstoß von Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) am Samstag scharf zurück. Rückendeckung erhielt der
Minister aus der Union.
Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag geeinigt, nach einem
für Februar erwarteten Verfassungsgerichtsurteil zum
Luftsicherheitsgesetz zu prüfen, ob und inwieweit Regelungsbedarf für
den Einsatz von Soldaten im Inneren besteht. Der Vorsitzende des
Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), bezeichnete den
Vorstoß Schäubles vor diesem Hintergrund als «einen unfreundlichen Akt
in der Koalition». Soldaten seien keine Hilfspolizisten und sollten es
auch nicht werden. Die SPD sei allenfalls bereit, eine
Grundgesetzänderung «für die eng begrenzte Ausnahme» des
Luftsicherheitsgesetzes mitzutragen.
SPD-Vize Kurt Beck sagte zum Schäuble-Vorstoß: «Das ist nicht in
Ordnung, auch nicht notwendig. Die Soldaten sind keine Polizisten.»
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hält einen
Bundeswehreinsatz bei der WM ebenfalls für «nicht für richtig». Es gebe
«keine Hinweise auf eine Sicherheitslage, die es nötig mache, Stadien
durch Soldaten schützen zu lassen», sagte die Ministerin.
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, hält einen
Einsatz von Soldaten bei der WM für «rechtlich und praktisch
undurchführbar». Gertz wies darauf hin, dass Soldaten Kenntnisse im
allgemeinen Polizei- und Ordnungsrecht fehlten. Schäubles Vorhaben sei
aber auch politisch unrealistisch, weil es weder im Bundestag noch im
Bundesrat die Zweidrittelmehrheit für eine erforderliche
Grundgesetzänderung gäbe. Deshalb sei der Vorstoß nur ein «Wunschtraum»
und damit «überflüssig», sagte Gertz.
Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, setzt
darauf, dass die SPD einer Grundgesetzänderung wie von der Union
gefordert nicht zustimmen wird. Freiberg fügte hinzu: «Ich mag mir
nicht vorstellen, dass in der Bundesrepublik Prügeleien zwischen
Wehrpflichtigen und Hooligans stattfinden.»
Der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Hans-Peter Uhl
(CSU), unterstützte dagegen das Anliegen des Innenministers. «Zum
Beginn der Fußball-WM müssen die gesetzlichen Grundlagen geschaffen
sein», sagte Uhl. Wenn sich erweise, dass die Gerichtsentscheidung zu
spät komme für eine rechtzeitige Parlamentsbefassung, müsse der
Bundestag früher tätig werden. Bei der WM seien «ein paar 10 000
Einsatzkräfte» nötig. «Es kann sein, dass Polizisten fehlen», betonte
der CSU-Politiker.
Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) wies Kritik am
Vorschlag, zur Entlastung der Polizei Stadien, Flughäfen und
Mannschaftsquartiere durch Soldaten bewachen zu lassen, als «reflexhaft
und kurzsichtig» zurück. Es müssten alle Vorkehrungen getroffen werden,
um Bürger und Besucher im Fall erheblicher Gefährdung zu schützen,
mahnte Schönbohm.