20.11.2006
Edathy von Gesprächen in Indien und Pakistan zurück
Der heimische Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy ist am Sonntag von einer einwöchigen Reise nach Indien und Pakistan zurückgekehrt. Im Bundestags-Auftrag hatte Edathy sowohl zu Sicherheitsfragen als auch zur Weiterentwicklung der deutsch-indischen und deutsch-pakistanischen Beziehungen vor Ort eine Vielzhal von Gesprächen geführt und dafür die beiden Hauptstädte Neu Delhi (Indien) und Islamabad (Pakistan) besucht. Zudem hielt sich der Parlamentarier zur Gewinnung persönlicher Eindrücke im indisch-pakistanischen Grenzgebiet auf - über den Verlauf dieser Grenze herrscht seit fast 50 Jahren zwischen beiden Ländern Streit.

Gespräch in Neu Delhi: Rahul Gandhi (links) und MdB Sebastian Edathy
Zu Gesprächen mit Regierungsvertretern und Parlamentsabgeordneten Indiens und Pakistans traf Edathy ebenso zusammen wie mit Vertretern der deutschen Wirtschaft, Mitarbeitern von Menschenrechtsorganisationen, deutschen Entwicklungshelfern und Abgesandten des Roten Kreuzes.
Eine längere Unterredung konnte Edathy unter anderem mit Rahul Gandhi (36) führen. Der Enkel der früheren indischen Regierungschefin Indira Gandhi und Sohn des früheren indischen Premierministers Rajiv Gandhi und der amtierenden Vorsitzenden der indischen Kongress-Partei, Sonia Gandhi, ist Abgeordneter der Kongress-Partei im indischen Parlament. Er gilt als führende Nachwuchskraft und möglicher künftiger Premierminister Indiens. Gandhi zeigte hohes Interesse am Ausbau und der Vertiefung der deutsch-indischen Kontakte.
Die Reise bestätigte Sebastian Edathy in der Überzeugung, dass das Potenzial der Beziehungen aus deutscher Sicht bei weitem noch nicht ausgeschöpft wird. Der heimische Mandatsträger, Vorsitzender der deutsch-indischen und stellvertretender Vorsitzender der für Pakistan zuständigen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages, nahm entsprechend von seiner Reise eine Reihe von Anregungen und eigene dort entstandene Überlegungen mit zurück nach Deutschland.
Dazu gehören das Ziel einer Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich von Forschung und Wissenschaft ebenso wie die Anstrebung einer engeren Kooperation auf den Sektoren Abfallwirtschaft, Gesundheitsversorgung, Landwirtschaft und Nutzung erneuerbarer Energien.
Dialogbedarf sieht Sebastian Edathy zudem im Bereich der Menschenrechts-Situation. Allein im indischen Teil Kaschmirs, in dem nur zehn Millionen Menschen leben, sterben nach offiziellen Angaben jährlich 1.000 Personen in Folge von Anschlägen und Übergriffen - also drei pro Tag. Während Edathys eintägigem Aufenthalt im Grenzgebiet zu Pakistan ereigneten sich dort zwei Bombenexplosionen.
Sebastian Edathys Fazit seiner Reise: "Die Freude über das wachsende Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien bzw. Pakistan und die Unterstützung dieses Prozesses ist die eine Sache. Zugleich müssen wir in Gesprächen mit unseren Partnern aber auch deutlich machen, dass Wirtschaft nicht alles ist, sondern dass wir Wert auf die Beachtung demokratischer und zivilisatorischer Standards legen." Dies, so betont Sebastian Edathy auch als Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses, sollte freilich nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern durch konkrete Angebote geschehen, zum Beispiel durch Ausbildungs- und Trainings-Angebote der deutschen Seite für die Sicherheitskräfte und durch einen Ausbau des Dialogs in Sachen Sicherheitspolitik und Menschenrechtsfragen.
"Deutschland", so betont Sebastian Edathy, "hat sowohl in Indien als auch in Pakistan ein überaus großes Ansehen". Dies berge die Chance für eine im Interesse aller drei Länder verbesserte Kooperation in den kommenden Jahren. Dabei sollte Deutschland mit Blick auf die indisch-pakistanischen Beziehungen keine, zudem ungewollte, Politik der Einmischung betreiben, aber gleichwohl zum Ausdruck bringen, dass ein weiterer Abbau der Spannungen begrüßt werden und zu einem Anwachsen deutscher Entwicklungsprojekte in der Region führen würde.