05.12.2006
MdB Sebastian Edathy trifft indische Austauschschülerin in Stolzenau
Die Klasse 11d des Gymnasium Stolzenau hat eine neue Mitschülerin. Sie heißt Insiyah Rangwala, ist 16 Jahre alt und lebt eigentlich in Indien. Eigentlich, denn für ein Jahr drückt Insiyah nicht in der indischen Metropole Bombay (7 Millionen Einwohner) die Schulbank, sondern im deutlich kleineren Stolzenau.
Auf Vermittlung der internationalen Rotarier-Vereinigung verbringt die junge Inderin ein Jahr in Deutschland, hat in Steyerberg ein zweites Zuhause in einer deutschen Gastfamilie gefunden und fühlt sich im Landkreis Nienburg sichtlich wohl.
Davon hat sich jetzt der heimische Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy überzeugen können, der der Klasse 11d des Gymnasium Stolzenau dieser Tage einen Besuch abstattete. Gemeinsam mit Insiyah Rangwala gestaltete Edathy, im Bundestag unter anderem zuständig für die deutsch-indischen Beziehungen, dabei eine Englisch-Unterrichtsstunde. Thema: Das Indien-Bild in Deutschland.
"Elefanten", fiel einem Mitschüler Insiyahs als erster Gedanke ein. "Hinduismus", die in Indien meistverbreitete Religion, nannte ein anderer. Andere dachten an die Filmindustrie ("Bollywood") oder an die vor allem von Frauen getragene, für deutsche Augen auffällig bunte Kleidung.
Unter viel Heiterkeit konnte die Gastschülerin auch in der Tat berichten, dass sie schon viele Elefanten gesehen habe, ihre Schilderungen über das moderne Indien überraschten aber offenkundig viele ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Indien habe eine weltoffene, tolerante Kultur. Die Beherrschung von mindestens drei Sprachen sei selbstverständlich, denn neben den beiden landesweit offiziellen Sprachen Hindi und Englisch gebe es in jedem Teil Indiens eine eigenständige Regionalsprache, nicht selten mit eigenem Alphabet und eigener Grammatik - alle drei Sprachen sind Unterrichtsfächer. Insiyah spricht sogar fünf Sprachen. Eine Aussage, die einen Teil ihrer Mitschüler vorübergehend sprachlos macht. Die Beschreibung ihres Freizeitverhaltens in Indien (Musik hören, Sport treiben und Feste mit ihren Schulfreunden feiern) klingt in den Ohren der Klasse 11d allerdings nicht eben fremd.
Besonderes Erstaunen rief allerdings Insiyahs Äußerung hervor, Muslimin zu sein. Und in der Tat passt die T-Shirt-tragende und selbstbewusste Schülerin aus Indien nicht in das Bild, das hierzulande oft von muslimischen Frauen besteht. Sebastian Edathy erläuterte, dass 20 Prozent der indischen Bevölkerung - 200 Millionen Menschen - Muslime seien. Es entspreche dem geselschaftlichen Selbstverständnis des 1-Milliarde-Einwohner-Landes, dass Toleranz zwischen den Religionen herrsche.
Insiyah Rangwala machte dies deutlich, indem sie betonte, in Indien würden die wichtigen religiösen Feste von allen Bürgern geachtet und mitgefeiert - unabhängig davon, ob man selber der entsprechenden Religion angehöre. Als Muslimin nehme sie daher von Kindheit an an hinduistischen Feiertagen ebenso teil wie an der Feier des christlichen Weihnachtsfestes. "Aber", sagt Insiyah, "so sehr wie jetzt hier in Deutschland habe ich mich auf Weihnachten noch nie gefreut."
Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken nach der Schulstunde setzten Sebastian Edathy und die Schülerin aus Indien in der Schul-Kantine ihr Gespräch fort. Der Abgeordnete freut sich über den Aufenthalt des Gastes vom fernen Subkontinent: "Ich bin sicher, dass sowohl Insiyah als auch die Menschen, denen sie begegnet, eine Menge voneinander lernen können." Völkerfreundschaft könne letztlich nicht durch Regierungsabkommen hergestellt werden, sondern ergebe sich vor allem durch persönliche Begegnungen. "Und deshalb ist es schön, dass Insiyah Rangwala bei uns im Landkreis Nienburg noch bis zum kommenden Sommer zu Gast ist."
Foto: Gemeinsames Kaffee-Gespräch nach gemeinsamem Unterrichts-Besuch: Gastschülerin Insiyah Rangwala und der heimische Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy in der Schul-Kantine des Stolzenauer Gymnasiums.