09.07.2007
"Zukunftstag" im Bundestag:
Zwei junge Rehburger besuchten MdB Edathy in Berlin
Zukunftstag! Was vor einigen Jahren noch den Mädchen in Niedersachsen vorbehalten war, dürfen mittlerweile auch die Jungen für sich in Anspruch nehmen: ein Tag, an dem sie nicht die Schulbank drücken müssen, sondern Betriebe und Berufe kennen lernen können.
Hannes und Julian, beide elf Jahre alt, hat der Zukunftstag aus der Stadt Rehburg-Loccum am schönen Steinhuder Meer für einen Tag in das Herz der Bundeshauptstadt geführt: sie hatten eine Einladung vom Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy, sich von ihm den Bundestag zeigen und seine Arbeit erklären zu lassen.
Ein fauler Tag war es ganz gewiss nicht. Zu der Zeit, zu der die beiden Jungs ansonsten zur Schule aufbrechen – der eine zur Loccumer Realschule, der andere zum Gymnasium in Nienburg – mussten sie sich auf den Weg zum Bahnhof machen. Ausgerüstet mit Reiseverpflegung, Zettel, Stiften, einer Sammlung von Fragen an Edathy und einem Diktiergerät ging es los.
Drei Stunden später ist Berlin erreicht. Dicht am Regierungsviertel ist der Hauptbahnhof, ein kurzer Fußmarsch führt am Bundeskanzleramt vorbei direkt zum Paul-Löbe-Haus, wo der Abgeordnete sein Büro hat. Bevor Hannes und Julian dort jedoch hinein kommen, müssen sie ihre Pässe vorzeigen, bekommen vom Sicherheitsdienst einen Besucherausweis und müssen nicht nur ihre Rucksäcke durchleuchten lassen, sondern auch alle Taschen leeren. "Wie am Flughafen!“, glucksen beide.
In dem großen Haus, in dem viele der Abgeordneten ihre Büros haben, werden sie von einem Mitarbeiter Edathys abgeholt. In Edathys Büro, mit Blick auf ein - wie beide unter Zustimmung Edathys meinen – recht misslungenes Kunstwerk im Innenhof, beginnen sie mit ihrer Arbeit: Fragen stellen an den Abgeordneten. Welches sind seine Aufgaben, was wird im Bundestag gemacht, wie lassen sich Familie und Beruf vereinbaren, arbeiten hier mehr Männer als Frauen, und wie viel Geld bekommt ein Abgeordneter?
Besonders die Arbeitszeiten (ca. 60 Stunden pro Woche) und die riesigen Stapel von Akten, Mappen und Papier, die das Büro Edathys beherrschen, lassen die Jungen daran zweifeln, ob eine Karriere als Politiker wirklich sehr erstrebenswert ist.
Der Theorie will Edathy die Praxis folgen lassen und hat den Schülern Plätze auf der Besuchertribüne des Plenarsaals reservieren lassen. "Da könnt ihr heute den Bundesinnenminister reden hören“, erklärt er ihnen.
Doch zuvor nimmt sich der Abgeordnete noch die Zeit, seinen jugendlichen Besuchern das Reichstagsgebäude zu zeigen. Kunst gibt es dort in großer Menge, Bilder, Skulpturen und Überraschendes von namhaften Künstlern schmücken die Räume und Flure. Einen Andachtsraum bekommen sie zu Gesicht, auf einer schmalen Fußgänger-Brücke hoch über der Spree, die zwei Gebäude miteinander verbindet, fällt den Jungen auf, dass sie an Höhenangst leiden, und in der Kantine des Bundestages gibt es tatsächlich echte Berliner Currywurst - nebst Pommes, versteht sich. Spannend ist auch die Besichtigung des Saales, in dem der Innenausschuss tagt. Edathy erzählt, dass er in diesem Ausschuss den Vorsitz hat, sein Platz ist mit einem Knopf ausgerüstet, mit dem er anderen Teilnehmern einfach das Mikrofon stumm schalten kann. "Falls einer zu lange redet oder nichts zum Thema sagt“, erklärt er. Das könnten sich Hannes und Julian auch für die Schule gut vorstellen.
Weit sind die Wege, die sie zurücklegen, der Tag schon recht lang und anstrengend, und das macht sich auf der Besuchertribüne während einer Bundestags-Debatte schließlich bemerkbar: nach einem faszinierten Blick in die Kuppel des Reichstages, die sich über dem Saal wölbt, schlummert Hannes sanft ein.
Zwei Stunden später holt Edathy seine Besucher wieder ab, ein Eis im Schatten der Quadriga am Brandenburger Tor gibt es, gemeinsam wird die gläserne Kuppel besucht, dann stehen bei dem Abgeordneten die nächsten Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit an. Um Sicherheitsfragen soll es dann gehen. Edathy scheint der Besuch Spaß gemacht zu haben. Viel Zeit hat er sich für die jungen Gäste genommen, verabschiedet sich mit einem Händedruck und einem Lächeln.
Bahnhof, Zug, Autofahrt – gegen 22 Uhr sind die beiden Praktikanten aus dem Bundestag wieder zurück. Aufregend war es, interessant und auch sehr anstrengend. Ob sie selbst später auch in die Politik gehen möchten, mögen sie jetzt noch nicht entscheiden.