11.09.2009
Behindertenbeauftragte der Bundesregierung diskutierte in Nienburg über das Thema Gleichberechtigung
Zu Gast in der Nienburger Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) war jetzt auf Einladung des heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer. An dem Termin nahmen zahlreiche Repräsentanten der AWO, der Lebenshilfe und der Behindertenverbände aus dem Landkreis Nienburg teil.
Kernthema: Wie kann es gelingen, Menschen mit einer Behinderung den Weg zu Teilhabe und Gleichberechtigung zu ebnen? Das fängt, wie von Vertretern des Behindertenbeirates aus dem Landkreis Nienburg an Beispielen dargestellt wurde, bereits mit der Überwindung mangelnder Barrierefreiheit an. Es gebe noch immer zu viele öffentliche Gebäude, die etwa für Rollstuhlfahrer allenfalls mit Mühen zugänglich seien.
Die Behindertenbeauftragte regte an, ihr jeden Einzelfall zu übermitteln: "Dafür bin ich da, und ich gehe dem dann auch sehr schnell nach und kläre das."
Ein weiteres Thema war die Frage der gemeinsamen Beschulung behinderter und nicht-behinderter Kinder. "Nur 15 Prozent der behinderten Schüler werden in Deutschland an den Regelschulen unterrichtet", so Evers-Meyer. Damit sei die Bundesrepublik europaweit Schlusslicht: "Wir haben jede Menge Förderschulen, aber wir müssen stärker zur Integration junger Behinderter in den Regelschulen kommen."
Auf der anderen Seite des Altersspektrums gebe es, so Evers-Meyer, ebenfalls Defizite. "Wie gehen wir mit älteren Behinderten um? Wir haben viel zu wenige Einrichtungen, wo diese Menschen ihren Lebensabend ihren Bedürfnissen entsprechend verbringen können." Hier müsse es vermehrt gemeinsame Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen geben.
Bei allen noch zu lösenden Problemen gebe es allerdings auch viele Lichtblicke. Einer davon, da waren sich die Behindertenbeauftragte und MdB Sebastian Edathy einig, bestehe darin, dass vermehrt beachtet würde, dass Behinderte nicht Objekt von Fürsorge, sondern eigenständige Bürgerinnen und Bürger seien. Sie hätten einen Anspruch darauf, zum Leben in und nicht neben der Gesellschaft befähigt zu werden.
Edathy: "Wenn wir in diesem Jahr das 60jährige Bestehen des Grundgesetzes feiern, dann gilt das auch für den ersten Satz in unserer Verfassung, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist." Diese Aussage kenne keine Unterschiede zum Beispiel zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten. Es komme im Alltag und auch in der Politik darauf an, diesem Satz Wirkung zu verschaffen, indem Menschen mit einer Behinderung nicht ausgegrenzt, sondern einbezogen werden.
Foto:
Die Behindertebeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer, der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy und die Vorsitzende der Kreis-Lebenshilfe Nienburg, Renate Mock (v. links)