25.05.2009
Hamburger Abendblatt vom 25. Mai 2009
Musikanten und Saaldiener kannten das Ergebnis zuerst
BERLIN - Pannen rund um die Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentenwahl könnten ein parlamentarisches Nachspiel haben. Die Wiederwahl Horst Köhlers in der Bundesversammlung sei am Sonnabend wegen eines "offensichtlichen Regiefehlers" schon vor der offiziellen Verkündung bekannt geworden, sagte Christian Lange, der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Er kritisierte in der Zeitung "Die Welt": "Es ist unangemessen und unwürdig, wenn Musikanten und Saaldiener das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl vorwegnehmen." Lange kündigte an, das Thema im Ältestenrat des Bundestags anzusprechen.
Rund zehn Minuten bevor Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) das Ergebnis der Auszählung bekannt gab, waren bereits Blumen für den Wahlsieger in den Plenarsaal gebracht worden. Außerdem bereitete sich ein Bläser-Quintett vor, zum Abschluss der Versammlung die Nationalhymne zu spielen. Beides war als Zeichen dafür gewertet worden, dass bereits der erste Wahlgang ein Ergebnis gebracht hatte der Sieger konnte dann nur Amtsinhaber Köhler sein.
Der SPD-Abgeordnete und Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy, forderte Lammert in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zu einer Entschuldigung auf. Für Aufregung sorgte aber auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber. Er verkündete das Ergebnis per Twitter schon Minuten vor der Entscheidung. Sein Eintrag im Internet: "Nachzählung bestätigt: 613 Stimmen. Köhler ist gewählt!" Die Meldung verbreitete sich im Netz und wurde unter anderem von Welt-Online aufgenommen. (HA)