20.04.2009
Kölner-Stadt-Anzeiger vom 20. April 2009
20 Millionen illegale Waffen in Deutschland -Politiker fordern Vernichtung - Der Chef der Gewerkschaft der Polizei glaubt an den Erfolg einer Amnestie.
VON MARKUS DECKER
Berlin - Nach dem Amoklauf von Winnenden, durch den 16 Menschen starben, gibt es verstärkte Bemühungen, die Zahl der illegalen Waffen in Privatbesitz zu reduzieren. Bis zu 20 Millionen davon gibt es in Deutschland, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die baden-württembergische Landesregierung hat eine Amnestie ins Gespräch gebracht. Innenminister Heribert Rech (CDU) argumentiert, nach dem Amoklauf an einem Erfurter Gymnasium 2002 hätten Besitzer illegaler Waffen diese straffrei bei der Polizei abgeben können, um sie zerstören zu lassen. "Diesen Weg sollten wir auch jetzt so schnell wie möglich beschreiten." Im Rems-Murr-Kreis, in dem Winnenden liegt, wurden nach Informationen des "Spiegel" zuletzt 370 Waffen freiwillig abgegeben. In München sammelte eine Projektgruppe 422 Schusswaffenein, in Bremen wurden dreimal so viele Pistolen und Gewehre abgegeben wie sonst üblich.
Das Bundesinnenministerium steht einer Amnestie positiv gegenüber. Auch Freiberg erklärte: "Das bringt was. Es gibt Hunderttausende von Waffen, die vererbt sind oder bei denen die Besitzer dem Schießsport nicht mehr nachgehen. Jede Waffe weniger ist ein Erfolg." Der Gewerkschaftsvorsitzende schätzt die Zahl legaler Waffen auf sieben bis zehn Millionen und die Zahl der illegalen auf bis zu 20 Millionen. "Das ist eine gigantische Menge. Es wäre gut, wenn man hier mal aufräumt."
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), dämpfte hingegen die Erwartungen. "Es spricht nichts gegen die Idee", sagte er. Er halte es aber "für blauäugig zu glauben, dass man eine nennenswerte Zahl von Leuten dazu wird bewegen können, eine unrechtmäßig besessene Waffe abzugeben". Das Waffenrecht sei zudem "nicht der Kern des Problems". Wichtiger sei, "dass im Familienkreis, im Verein oder in der Schule frühzeitig wahrgenommen wird, wenn Kinder oder Jugendliche sich isolieren und eine problematische Bahn einschlagen".