12.03.2009
Meldung von AFP vom 12. März 2009
Amokläufer kündigte Tat im Internet an-- Politiker warnen vor voreiligen Schlussfolgerungen
Berlin/Waiblingen, 12. März (AFP) - Nur wenige Stunden vor dem Amoklauf von Winnenden hat der 17-jährige Tim K. seine Tat im Internet angekündigt. Die Gewalttat an seiner früheren Schule deutete er in der Nacht zum Mittwoch in einem Internet-Chat an, wie Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) am Donnerstag sagte. Unterdessen warnten Politiker aller Parteien vor voreiligen Schlussfolgerungen aus dem Amoklauf.
Wie Baden-Württembergs Innenmininster Heribert Rech (CDU) am Donnerstag in Waiblingen sagte, schrieb K. in der Nacht zum Mittwoch, es reiche ihm, er habe dieses "Lotterleben" satt. Alle lachten ihn aus, niemand erkenne sein Potenzial. Er meine es ernst, er habe Waffen und werde am Morgen an seine frühere Schule gehen und "mal so richtig gepflegt grillen." Auf den Internet-Chat stießen die Ermittler durch den Hinweis eines 17-Jährigen aus Bayern, der daran in der Nacht teilgenommen hatte. Der Vater des Jugendlichen hatte sich laut Rech am Mittwochabend bei der Polizei gemeldet. Der Jugendliche habe die Ankündigung zunächst nicht ernst genommen.
Der 17-jährige Amokläufer befand sich dem Landesinnenminister zufolge seit 2008 auch wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung, zunächst in einer Klinik in Heilbronn. Die Behandlung habe er in Winnenden fortsetzen wollen, sie dann aber offenbar abgebrochen. Das genaue Motiv für den Amoklauf blieb auch nach den neuen Ermittlungsergebnissen unklar. Tim K. besaß den Ermittlern zufolge auch so genannte Killerspiele und Gewaltfilme.
Laut Polizei kam der 17-Jährige am Mittwochmorgen mit mehr als 200 Schuss Munition in die Schule. Dort erschoss der Jugendliche neun Schüler und drei Lehrerinnen. Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen und schließlich auch sich selbst. Die verletzten Schüler und die bei einem Schusswechsel angeschossenen Polizisten befanden sich am Donnerstag nicht in Lebensgefahr.
Gegen den Vater des Jungen, aus dessen Besitz der Jugendliche die Waffe genommen hatte, laufen nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang keine Ermittlungen. Die Aufbewahrung einer Waffe im Schlafzimmer könne allerdings eine Ordnungswidrigkeit sein, sagte der Stuttgarter Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler. Der Vater besaß die Waffen als Mitglied eines Schützenvereins legal.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erteilte unterdessen Forderungen nach Zugangskontrollen für Schulen eine Absage. "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht", sagte Schäuble in Berlin. In der ARD wandte er sich gegen schärfere Waffengesetze. Mehr als um die Frage des Waffenrechts gehe es um die Frage, "was in unserer Gesellschaft los" sei. Auch die strengsten Vorschriften könnten nicht verhindern, dass dagegen verstoßen werde. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte dem Berliner "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe): "Aktionismus und reflexhafte Debatten helfen nicht weiter".
Nach Ansicht der Grünen müssen zunächst die genauen Umstände der Tat aufgeklärt werden. "Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens und der Anerkennung", erklärten die Grünen-Chefs Claudia Roth und Cem Özdemir in Berlin. So könnten "verdeckte Signale von Schülern mit Problemen" besser erkannt werden. Dazu bräuchten die Schulen eine bessere Ausstattung.
Der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy sprach sich in der Zeitung "Die Welt" vom Donnerstag dafür aus, in Einzelfällen auch Metalldetektoren einzusetzen. Er bezog dies auf Schulen, "in denen bereits festgestellt wurde, dass Waffen im Umlauf sind". Einen flächendeckenden Einsatz von Detektoren lehnte er aber ab.