23.08.2009
Meldung von epd vom 23. August 2009
Landeskirche Schaumburg-Lippe feiert Reformationsjubiläum - Politiker
von CDU und SPD bei Festwochenende in Bückeburg -
(Wochenendzusammenfassung)
Bückeburg (epd). Mit einem dreitägigen Fest unter freiem Himmel hat die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe am Wochenende ihr 450-jähriges Reformationsjubiläum gefeiert. Bischof Jürgen Johannesdotter rief im Festgottesdienst am Sonntag dazu auf, den evangelischen Glauben in Staat und Gesellschaft zu tragen: «Wir können es uns gar nicht leisten, auf die Erkenntnisse und Werte, die aus diesen Quellen unserer Geschichte und unseres Glaubens stammen, zu verzichten.»
Als Herausforderungen der Gegenwart nannte er eine gerechte Wirtschaft, eine Friedensordnung, die auch den Menschen in Afrika Chancen biete, den Klimawandel sowie die Balance zwischen Familie und Beruf. Die Reformation sei keine abgeschlossene Epoche in der Geschichte, betonte der Bischof. Auch die Kirche von heute sei immer wieder zu reformieren: «Die Reformation liegt nicht nur hinter uns, sie liegt auch vor uns.» Johannesdotter begrüßte es, dass sich auch die katholische Kirche mit 95 verbindenden Thesen zur Ökumene an dem Fest in Bückeburg beteiligt habe.
Bei einer Talkshow vor der Stadtkirche sagte der niedersächsische CDU-Vorsitzende David McAllister, die evangelischen Denkschriften seien für ihn eine wichtige Orientierung für seine politische Arbeit: «Die Kirche ist dafür da, die großen Leitlinien vorzugeben und Fragen von Ethik und Moral zu behandeln.» Wenn es aber ins «Kleinklein der Tagespolitik» gehe, sollten die «Kirchenfürstinnen und Kirchenfürsten» sich lieber zurückhalten.
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), sagte auf der Talk-Bühne, durch seine Kindheit in einem evangelischen Pfarrhaus habe ihn der christliche Glaube stark geprägt. «Grundwerte wie Respekt, Fürsorge und Mitverantwortung sind für mich eine Konstante.» Sie seien auch für seine politische Arbeit leitend. Edathy wuchs als Sohn eines aus Indien stammenden Pfarrers in Hannover und Steyerberg bei Nienburg auf.
In einem Festvortrag bezeichnete die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann das bevorstehende 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 als Ereignis von internationaler Tragweite. Das Gedenken an Martin Luthers Protest gegen den katholischen Ablasshandel werde zahlreiche Touristen nach Deutschland locken: «400 Millionen Protestanten weltweit sind ein hohes Potenzial, allein die USA mit 156 Millionen sind ein großer Markt.» Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg genagelt haben. Dies gilt als Ursprung der evangelischen Kirche.
Mit dem Fest erinnerte die Landeskirche an die Anfänge des evangelischen Glaubens in der Region vor 450 Jahren. Am 5. Mai 1559 ließ Graf Otto IV. in der damaligen Grafschaft Schaumburg zwischen Weser und Steinhuder Meer die Reformation einführen. Heute ist Schaumburg-Lippe mit rund 61.000 Mitgliedern in 22 Gemeinden auf dem Gebiet eines halben Landkreises die nach Mitgliedern zweitkleinste und der Fläche nach kleinste evangelische Landeskirche in Deutschland.