16.10.2009
Meldung von AFP vom 16. Oktober 2009
NDR: Zehntausende Kundendaten des Finanzdienstleisters AWD im Umlauf - Angaben etwa zu Anlagesummen - Unternehmen erstattet Anzeige
Hamburg/Hannover, 16. Oktober (AFP) - Beim Finanzdienstleister AWD sind offenbar zehntausende Kundendaten entwendet worden. Dem Radiosender NDR Info wurden nach einem Bericht vom Freitag insgesamt 27.000 Datensätze unter anderem mit Adressen, Telefonnummern, Geburtstagen sowie Anlagesummen zugespielt. AWD erklärte, nach bisheriger Kenntnis des Unternehmens seien zahlreiche veraltete Informationen, hingegen "keine sensiblen Daten" wie Kontonummern enthalten.
AWD verkauft Finanz- und Altersvorsorgeprodukte vom Bausparvertrag bis zur Lebensversicherung. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben mit mehr als 6000 Beratern und im vergangenen Jahr 430.000 beratenen Kunden in zehn europäischen Ländern einer der führenden Finanzdienstleister in Europa. Verbraucherschützer zeigten sich immer wieder skeptisch, ob AWD oder Konkurrenten wie MLP ihren Kunden jeweils die optimalen Produkte verkaufen oder tendenziell Verträge mit hohen Provisionen für die Vermittler angepriesen werden.
Laut NDR enthalten die entwendeten Datensätze Kundennummer, Adresse und Telefonnummer, Beruf und Geburtstag sowie die Vertragsabschlüsse der einzelnen Kunden. Daraus sei unter anderem ersichtlich, welche Kunden eine Lebensversicherung abgeschlossen und wie viel Geld sie angelegt haben. Zusätzlich geben die Daten Auskunft über die Laufzeit der Verträge, die demnach zu einem großen Teil noch laufen. Insgesamt handelt es sich dem Bericht zufolge um mehr als 60.000 Vertragsangaben, vor allem von Kunden aus Nordrhein-Westfalen.
Wie die Informationen in Umlauf geraten sind, ist dem Sender zufolge unklar. Demnach hieß es aus dem Umfeld des Hannoveraner Finanzdienstleisters, dass nur ranghohe Mitarbeiter auf eine derart große Menge an Kundenangaben hätten.
AWD erklärte, das Unternehmen habe bereits am Mittwoch Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, unmittelbar nachdem es Kenntnis von den kursierenden Daten erhalten habe. AWD habe auch den niedersächsischen Datenschutzbeauftragten Joachim Wahlbrink informiert, hieß es in der Stellungnahme.
Allerdings handle es sich bei zahlreichen der vom NDR auszugsweise an AWD übermittelten Daten um veraltete Informationen, oder sie beträfen Verbraucher, die gar nicht mehr Kunde beim Unternehmen seien. Die jüngsten Angaben stammten von 2001. Zudem fänden sich in den vorliegenden Datensätzen "keine sensiblen Daten im Sinne des Datenschutzes" wie Bankverbindungen oder Informationen zum Gesundheitszustand. Über Letztere verfüge AWD als Vermittler gar nicht.
Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte am Freitag den Eingang der Strafanzeige. Die Polizei werde nun die Ermittlungen wegen Ausspähens von Daten aufnehmen, sagte eine Sprecherin. Das Verfahren stehe noch "ganz am Anfang".
Der Datenschutzbeauftragte Wahlbrink sagte NDR Info, die betroffenen Kunden könnten sich gegen die Verbreitung ihrer Daten nun kaum noch wehren. Sollte es sich bestätigen, dass die Daten direkt aus dem Unternehmen kamen und nicht etwa durch ein Call-Center in Umlauf gebracht wurden, sei dieser Fall von besonderer Bedeutung.
Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy sagte dem Sender, jedes Unternehmen, das sensible Daten besitze, müsse verantwortungsvoll damit umgehen. Er appellierte an die Wirtschaft, Datenschutz nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.